Mit unserer neuen Beiratsreihe geben wir den Mitgliedern unseres Beirats eine Stimme. Sie teilen ihre Erfahrungen, Einschätzungen und Perspektiven rund um den Wasserstoffhochlauf und die Zukunft der Wasserstoffwirtschaft.
Wie lässt sich der Aufbau einer wirtschaftlich tragfähigen Wasserstoffwirtschaft voranbringen? Darüber haben wir mit unserem Beiratsmitglied Uwe Neiß von Siemens Energy gesprochen. Mit mehr als 30 Jahren Erfahrung im Energiebereich und seiner langjährigen Tätigkeit in der Entwicklung von Wasserstoff- und Power-to-X-Projekten bringt er umfassende Branchenkenntnisse in unseren Beirat ein. Im Interview spricht er über die Chancen für das Rheinland, aktuelle wirtschaftliche und regulatorische Herausforderungen sowie die Bedeutung gemeinsamer Projekte.
1. Herr Neiß, was hat Sie persönlich motiviert, Teil des Beirats des Wasserstoff Hub Rhein-Kreis Neuss/Rheinland e.V. zu werden?
Wasserstoff ermöglicht es, klimaneutrale Energie bereitzustellen, sei es in direkter Nutzung oder als Ausgangsprodukt für klimaneutrale Brennstoffe und Prozesse, etwa in der Chemie- oder Stahlindustrie.
Als Mitglied des Beirats habe ich die Möglichkeit, den Transformationsprozess mitzugestalten und meinen Beitrag zu leisten.
2. Welche Rolle spielt das Thema Wasserstoff aktuell in Ihrer täglichen Arbeit oder in Ihrer Organisation?
Wasserstoff hat bei uns in vielen Bereichen einen hohen Stellenwert, unter anderem bei der Elektrolyseurfertigung, als Brennstoff für H2-Gasturbinen, im Verdichter-Bereich und zur CO2-freien Wärmeerzeugung.
3. Welche Chancen sehen Sie durch den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft für den Rhein-Kreis Neuss und das Rheinland?
Die Voraussetzungen für eine funktionierende Wasserstoffwirtschaft sind im Rhein-Kreis Neuss und im Rheinland hervorragend, da alle erforderlichen Bausteine wie Erzeugung, Transport und Abnahme kombiniert werden können.
4. Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen beim Aufbau einer funktionierenden Wasserstoffwirtschaft?
Momentan sind die Erzeugungskosten für Wasserstoff (LCOH) noch zu hoch.
Ein wesentlicher Grund dafür sind die Strompreise. Regulatorische Anforderungen des delegierten Rechtsakts, etwa zur Zusätzlichkeit und zeitlichen Korrelation, führen dazu, dass Betreiber in Deutschland „Power Purchase Agreements“ (PPA) nutzen müssen. Diese wiederum führen zu geringeren Laufzeiten, höheren Strompreisen und insgesamt zu einem unattraktiveren Business Case.
5. Warum sind Netzwerke wie der Wasserstoff Hub Rhein-Kreis Neuss/Rheinland aus Ihrer Sicht wichtig für die Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft?
Eine solche Transformation kann nur gemeinsam vorangetrieben werden.
Netzwerke wie der Wasserstoff Hub Rhein-Kreis Neuss/Rheinland ermöglichen es, Menschen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenzubringen, Informationen auszutauschen und konkrete Projekte anzustoßen.
6. Was möchten Sie persönlich im Beirat des Wasserstoff Hubs einbringen oder voranbringen?
Ich freue mich, meine langjährige Expertise in der Projektentwicklung und mein Netzwerk aus der Arbeit in verschiedenen Gremien einbringen zu können.
Wasserstoff ist für mich, wie auch für die anderen Mitglieder des Beirats, eine Herzensangelegenheit. Gemeinsam wollen wir diese Zukunftstechnologie im Rhein-Kreis Neuss und im Rheinland etablieren.
7. Welche Entwicklung im Wasserstoffbereich halten Sie aktuell für besonders spannend oder richtungsweisend?
Jegliche Innovation, die dazu beiträgt, Wasserstoff für Menschen und Unternehmen attraktiver zu machen, ist wichtig. Entwicklungen bei der Wasserstofferzeugung, die hohe Flexibilität mit reduzierten Kosten kombinieren, halte ich persönlich für eines der spannendsten Themen.
8. Wenn Sie an die Wasserstoffwirtschaft in zehn Jahren denken: Was hoffen Sie, dann sagen zu können?
Ich habe meinen Teil dazu beigetragen, dass ein funktionierendes Wasserstoffsystem entstanden ist.
Vorstandsbesuch des Wasserstoff Hub Rhein-Kreis Neuss/Rheinland e.V. bei Siemens-Energy in Mülheim.
Über Uwe Neiß
Nach seinem Studium zum Dipl.-Phys.-Ing. ist Uwe Neiß seit über 30 Jahren im Energiebereich unter anderem als Vertriebsleiter tätig. Von 2020 bis 2025 verantwortete er die Geschäftsentwicklung für Wasserstoff- und PtX-Projekte im Bereich Business Development.
Darüber hinaus ist er in verschiedenen Gremien im Bereich Wasserstoff aktiv.

