Im Gespräch mit ... Axel Hebmüller
Mit unserer neuen Beiratsreihe geben wir den Mitgliedern unseres Beirats eine Stimme. Sie teilen ihre Erfahrungen, Einschätzungen und Perspektiven rund um den Wasserstoffhochlauf und die Zukunft der Wasserstoffwirtschaft.
Wie gelingt es, innovative Wasserstofftechnologien schneller in die industrielle Anwendung zu bringen? Axel Hebmüller, geschäftsführender Gesellschafter der Hebmüller Group aus Kaarst und Vorsitzender des Außenhandelsverbands NRW, betrachtet den Wasserstoffhochlauf besonders aus der Perspektive des Mittelstands. In unserer Beiratsreihe spricht er über die Chancen für das Rheinland, die Herausforderungen bei der Umsetzung neuer Technologien und darüber, wie mittelständische Unternehmen stärker an der Wasserstoffwirtschaft teilhaben können.
Axel Hebmüller, Geschäftsführender Gesellschafter der Hebmüller Group. Copyright: Hebmüller Group
1. Herr Hebmüller, was hat Sie persönlich motiviert, Teil des Beirats des Wasserstoff Hub Rhein-Kreis Neuss/Rheinland e.V. zu werden?
Wasserstoff ist für mich ein zentraler Baustein einer zukunftsfähigen Energie- und Industrielandschaft. Gerade kleine und mittlere Unternehmen können entscheidend dazu beitragen, innovative Technologien in marktfähige Anwendungen zu überführen. Als Unternehmer mit internationaler Ausrichtung und Vorsitzender des Außenhandelsverbands NRW möchte ich dazu beitragen, KMU besser zu vernetzen, ihre Ideen sichtbar zu machen und ihnen Zugänge zu nationalen wie internationalen Märkten zu eröffnen.
2. Welche Rolle spielt das Thema Wasserstoff aktuell in Ihrer täglichen Arbeit oder in Ihrer Organisation?
In unserer täglichen Arbeit begleiten wir unter anderem ein US-Startup mit einem innovativen Ansatz für die dezentrale Wasserstoffproduktion. Dabei bringen wir unsere Erfahrung aus technologieintensiven Branchen sowie unser Verständnis für europäische und deutsche Marktanforderungen ein. Unser Ziel ist es, die Entwicklung so auszurichten, dass die Technologie auch im europäischen Markt sicher, wirtschaftlich und nachhaltig eingesetzt werden kann.
3. Welche Chancen sehen Sie durch den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft für den Rhein-Kreis Neuss und das Rheinland?
Der Rhein-Kreis Neuss und das Rheinland bringen sehr gute Voraussetzungen mit: industrielle Kompetenz, eine starke Logistik, qualifizierte Fachkräfte und die Transformationsdynamik rund um den Braunkohleausstieg. Daraus kann sich ein starker Standort für neue Wertschöpfung, innovative Technologien und zukunftsfähige Industrie entwickeln.
Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf beim steigenden Energiebedarf von Rechenzentren – nicht zuletzt durch Anwendungen der Künstlichen Intelligenz. Wasserstoff kann hier als speicherbarer Energieträger und zur Absicherung einer resilienten Versorgung, eine wichtige unterstützende Rolle spielen.
4. Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen beim Aufbau einer funktionierenden Wasserstoffwirtschaft?
Die größte Herausforderung liegt darin, Forschungsergebnisse schneller und verlässlicher in industrielle Anwendungen zu überführen. Zwischen technischer Innovation, Genehmigung, Infrastruktur, Wirtschaftlichkeit und konkreter Umsetzung besteht häufig noch eine Lücke. Diese Lücke gilt es gezielt zu schließen – durch Pilotprojekte, klare regulatorische Rahmenbedingungen, Investitionssicherheit und starke Partnerschaften zwischen Forschung, Mittelstand und Industrie.
5. Warum sind Netzwerke wie der Wasserstoff Hub Rhein-Kreis Neuss/Rheinland aus Ihrer Sicht wichtig für die Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft?
Eine funktionierende Wasserstoffwirtschaft kann nur im Zusammenspiel gelingen. Netzwerke wie der Wasserstoff Hub bringen Politik, Wissenschaft, Start-ups, Mittelstand und Großunternehmen an einen Tisch. So entstehen ein gemeinsames Verständnis für die Anforderungen des Marktes, schnellere Entscheidungswege und konkrete Projektpartnerschaften. Entscheidend ist, dass aus Austausch auch Umsetzung wird – wirtschaftlich tragfähig, technologisch realistisch und mit einem klaren Nutzen für die Region.
6. Was möchten Sie persönlich im Beirat des Wasserstoff Hubs einbringen oder voranbringen?
Ich möchte insbesondere mein lokales und internationales Netzwerk einbringen und Verbindungen zwischen innovativen KMU, Start-ups und etablierten Marktführern schaffen. Die Hebmüller Group steht für spezialisierte Prozesslösungen und technische Expertise in anspruchsvollen Branchen. Diese Erfahrung möchte ich nutzen, um praxistaugliche Lösungen und Kooperationen voranzubringen. Mir ist wichtig, dass mittelständische Unternehmen nicht nur Zulieferer bleiben, sondern aktiv an Projekten mitwirken, eigene Ideen einbringen und an der entstehenden Wertschöpfung teilhaben.
7. Welche Entwicklung im Wasserstoffbereich halten Sie aktuell für besonders spannend oder richtungsweisend?
Besonders spannend finde ich die Nutzung von Wasserstoff in intelligenten Kreislaufsystemen. Wenn vorhandene Prozessenergie – beispielsweise Dampf oder Abwärme – effizient für die Wasserstofferzeugung oder andere Anwendungen nutzbar gemacht werden kann, erhöht das die Gesamteffizienz erheblich. Genau diese Verbindung von Energieeffizienz, Prozessverständnis und neuer Technologie wird aus meiner Sicht richtungsweisend sein.
8. Wenn Sie an die Wasserstoffwirtschaft in zehn Jahren denken: Was hoffen Sie, dann sagen zu können?
Ich hoffe, dass wir in zehn Jahren sagen können: Wasserstoff ist ein funktionierender, wirtschaftlicher und ökologisch sinnvoller Baustein unserer Energieversorgung und industriellen Wertschöpfung. Er wird dann nicht mehr primär als Zukunftsversprechen diskutiert, sondern selbstverständlich in konkreten Anwendungen genutzt – regional erzeugt oder zuverlässig importiert, intelligent gespeichert und effizient eingesetzt.
Über Axel Hebmüller
Axel Hebmüller verbindet technisches Know-how, unternehmerische Erfahrung und internationale Vernetzung. Als geschäftsführender Gesellschafter der Hebmüller Group aus Kaarst arbeitet er mit spezialisierten Prozesslösungen für hochsensible Branchen wie Pharma, Luftfahrt und Wasserstoff. Sein Blick auf die Wasserstoffwirtschaft ist dabei klar praxisorientiert: Innovation muss nicht nur technisch überzeugen, sondern sicher, effizient und wirtschaftlich in den Markt kommen.
Als Beiratsmitglied des Wasserstoff Hub Rhein-Kreis Neuss/Rheinland und Vorsitzender des Außenhandelsverbands NRW bringt Axel Hebmüller seine Erfahrung und sein Netzwerk ein, um Mittelstand, Start-ups, Industrie und internationale Märkte stärker miteinander zu verbinden. Dabei geht es ihm vor allem darum, aus dem Strukturwandel im Rheinland konkrete Wertschöpfung entstehen zu lassen – mit intelligenten Energiekreisläufen, starken Kooperationen und einer Wasserstoffwirtschaft, die in der Praxis funktioniert.

