Im Gespräch mit ... Mortimer Glinz

Mit unserer neuen Beiratsreihe geben wir den Mitgliedern unseres Beirats eine Stimme. Sie teilen ihre Erfahrungen, Einschätzungen und Perspektiven rund um den Wasserstoffhochlauf und die Zukunft der Wasserstoffwirtschaft.

Wie gelingt der Aufbau einer wirtschaftlich tragfähigen Wasserstoffwirtschaft? Mortimer Glinz, geschäftsführender Gesellschafter der Schmidt Kranz Group, blickt darauf vor allem aus der Perspektive von Wasserstofferzeugung und Mobilität. Im Interview spricht er über die Chancen für das Rheinland, die Bedeutung funktionierender Netzwerke und darüber, wie konkrete Projekte den Wasserstoffhochlauf voranbringen können.

Mortimer Glinz, Geschäftsführender Gesellschafter der Schmidt Kranz Group. Copyright: Schmidt Kranz Group

1. Herr Bauer, was hat Sie persönlich motiviert, Teil des Beirats des Wasserstoff Hub Rhein-Kreis Neuss/Rheinland e.V. zu werden?

Ich war von dem Engagement der Mitglieder und der Dynamik beeindruckt. Gleichzeitig ist der Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur genau unser strategischer Schwerpunkt. Last but not least wohne ich im Rheinland und meine Familie würde von einer sauberen Infrastruktur direkt profitieren.

2. Welche Rolle spielt das Thema Wasserstoff aktuell in Ihrer täglichen Arbeit oder in Ihrer Organisation?

Täglich Top 3! Wasserstoff gehört für uns zu den wichtigsten Themen – ob bei Elektrolyseprojekten, Wasserstofftankstellen oder der Kombination beider Technologien. Aktuell gibt es viel Bewegung: bei Einzelprojekten, in Kooperationen und bei der Weiterentwicklung neuer Lösungen.

3. Welche Chancen sehen Sie durch den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft für den Rhein-Kreis Neuss und das Rheinland?

Die vorhandene Infrastruktur zusammen mit potenziellen Kunden aus Wirtschaft, Mobilität sowie Städten und Kommunen bietet sehr gute Voraussetzungen für einen zügigen und wirtschaftlichen Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft. Erste positive Beispiele gibt es bereits in Köln beim Einsatz von Wasserstoffbussen oder in Düsseldorf im Zusammenspiel von Entsorgung, Energie- und Wasserstofferzeugung.

4. Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen beim Aufbau einer funktionierenden Wasserstoffwirtschaft?

Wir brauchen die Skalierung, damit Wasserstoff wirtschaftlich wird. Gerade am Anfang wird es etwas teurer sein. Je beherzter wir vorgehen, desto schneller können wir unabhängig und emissionsfrei werden. Darin liegt großes Potenzial für den Standort – wenn wir pragmatisch und engagiert umsetzen.

5. Warum sind Netzwerke wie der Wasserstoff Hub Rhein-Kreis Neuss/Rheinland aus Ihrer Sicht wichtig für die Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft?

Für den Hochlauf sind grüne Energie, grüner Wasserstoff und entsprechende Abnehmer ebenso wichtig wie die jeweils notwendigen Maschinen und Anlagen. Entscheidend ist aber auch ein funktionierendes Netzwerk, das die verschiedenen Akteure zusammenbringt. Ohne diese Vernetzung bleibt der Hochlauf oft an der Henne-Ei-Thematik hängen. Durch übergreifende Partnerschaften können wir gleich mit dem Küken loslegen.

6. Was möchten Sie persönlich im Beirat des Wasserstoff Hubs einbringen oder voranbringen?

Ich möchte mich vor allem dafür einsetzen, Projekte in den Bereichen Wasserstofferzeugung und Mobilität wirtschaftlich voranzubringen. Mir ist wichtig, dass diese Projekte nicht an den ersten Hürden scheitern, sondern tatsächlich umgesetzt werden.

7. Welche Entwicklung im Wasserstoffbereich halten Sie aktuell für besonders spannend oder richtungsweisend?

Düsseldorf hat bereits mindestens zwei Wasserstofftankstellen, einen Elektrolyseur und bald 20 Busse. Hier können wir schon sehen, wie es funktionieren kann. In Neuss hätten wir zusätzlich die Möglichkeit, die Industrie einzubeziehen. Das wäre ein echter Game Changer und könnte den Hochlauf maßgeblich beschleunigen.

8. Wenn Sie an die Wasserstoffwirtschaft in zehn Jahren denken: Was hoffen Sie, dann sagen zu können?

Das Wort „hoffen“ können wir weglassen. In zehn Jahren werden wir eine wirtschaftliche, grüne Wasserstoffinfrastruktur haben, die je nach Bereich zwischen 5 und 20 Prozent unseres Energieverbrauchs abdeckt.


Saubere Energie für den Wiener ÖPNV: Am Standort Simmering produziert ein containerbasierter 3-MW-„greenelectrolyzer“ der FEST GmbH täglich rund 1.300 kg grünen Wasserstoff. Errichtet im Auftrag der Wiener Wasserstoff GmbH (Wiener Stadtwerke, Wien Energie, Wiener Netze), versorgt die Anlage über eine Tankstelle von Maximator Hydrogen GmbH vorrangig Busse und Lkw. Wien Energie nutzt den Wasserstoff zudem im eigenen Kraftwerkspark und liefert ihn an Industriepartner.


Über Mortimer Glinz

Mortimer Glinz leitet die Schmidt Kranz Gruppe seit 2016 in vierter Generation. Das Familienunternehmen mit Sitz in Langenberg bringt 140 Jahre Erfahrung im Maschinen- und Komponentenbau mit – heute mit einem Fokus auf Hochdrucktechnik, Automatisierung, Rohstoffe und Wasserstofftechnologien.

Mortimer Glinz ist davon überzeugt, dass Unternehmen eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft spielen. Starke Partnerschaften und Netzwerke, technologische Innovationen und ein gemeinsames Verantwortungsbewusstsein sind für ihn zentrale Hebel, um die Energiewende aktiv mitzugestalten. Als Vater dreier Kinder setzt er sich mit besonderem Nachdruck für den Ausbau von Wasserstofftechnologien ein – im Bewusstsein, dass die nächste Generation auf die Entscheidungen von heute angewiesen ist.

Zur Unternehmensgruppe gehören unter anderem die FEST GmbH, die Elektrolyseanlagen zur Wasserstofferzeugung entwickelt, sowie die Maximator Hydrogen GmbH, die auf Wasserstofftankstellen und Betankungstechnologien spezialisiert ist.

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