Im Gespräch mit ... Steffen Bauer

Mit unserer neuen Beiratsreihe geben wir den Mitgliedern unseres Beirats eine Stimme. Sie teilen ihre Erfahrungen, Einschätzungen und Perspektiven rund um den Wasserstoffhochlauf und die Zukunft der Wasserstoffwirtschaft.

Wie gelingt der Schritt von Wasserstoffstrategien und Pilotprojekten hin zu einer funktionierenden Wasserstoffwirtschaft? Steffen Bauer blickt darauf vor allem aus der Perspektive von Logistik und Infrastruktur. Im Interview spricht er über die Chancen für das Rheinland, die Voraussetzungen für Investitionen und darüber, warum Infrastruktur, Versorgung und Nachfrage parallel entwickelt werden müssen.

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1. Herr Bauer, was hat Sie persönlich motiviert, Teil des Beirats des Wasserstoff Hub Rhein-Kreis Neuss/Rheinland e.V. zu werden?

Die Themen Wasserstoff und nachhaltige Energieversorgung sind für unsere wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft von großer Bedeutung. Als Mitglied des Beirats möchte ich dazu beitragen, die Entwicklung im Bereich Wasserstoff aktiv zu begleiten, den Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zu fördern und Impulse für eine erfolgreiche Wasserstoffwirtschaft in der Region zu setzen.

2. Welche Rolle spielt das Thema Wasserstoff aktuell in Ihrer täglichen Arbeit oder in Ihrer Organisation?

Wasserstoff spielt vor allem im Kontext der Transformation der Industrie eine wichtige Rolle. Als Dienstleister mit einem starken Fokus auf die Chemieindustrie begleiten wir unsere Kunden auf dem Weg in eine klimafreundlichere Zukunft. Dabei sehen wir Wasserstoff als einen wichtigen Baustein dieser Transformation und unterstützen die Entwicklung der dafür notwendigen Infrastruktur und Wertschöpfungsketten.

3. Welche Chancen sehen Sie durch den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft für den Rhein-Kreis Neuss und das Rheinland?

Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft bietet für den Rhein-Kreis Neuss und das Rheinland erhebliche Chancen. Die Region verfügt über eine starke Industrie, eine leistungsfähige Logistikinfrastruktur und eine zentrale Lage in Europa. Wasserstoff kann dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Branchen langfristig zu sichern und neue Wertschöpfung, Investitionen sowie Arbeitsplätze zu schaffen. Gleichzeitig bietet die Transformation die Chance, das Rheinland als einen führenden Standort für klimafreundliche Industrie und innovative Energielösungen zu positionieren.

4. Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen beim Aufbau einer funktionierenden Wasserstoffwirtschaft?

Die größte Herausforderung ist es, die notwendige Infrastruktur, eine verlässliche Wasserstoffversorgung und ausreichende Nachfrage parallel zu entwickeln. Für Unternehmen sind vor allem Planungssicherheit, wettbewerbsfähige Kosten und klare politische Rahmenbedingungen entscheidend, damit Investitionen in die Transformation erfolgen können.

5. Warum sind Netzwerke wie der Wasserstoff Hub Rhein-Kreis Neuss/Rheinland aus Ihrer Sicht wichtig für die Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft?

Die Transformation hin zu einer Wasserstoffwirtschaft ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Netzwerke wie der Wasserstoff Hub schaffen den Austausch zwischen den relevanten Akteuren, fördern Kooperationen und helfen dabei, die Entwicklung der notwendigen Infrastruktur und Wertschöpfungsketten gemeinsam voranzutreiben.

6. Was möchten Sie persönlich im Beirat des Wasserstoff Hubs einbringen oder voranbringen?

Ich möchte vor allem die Perspektive eines Infrastruktur- und Logistikdienstleisters einbringen, der die Transformation der Industrie aktiv begleitet. Mir ist wichtig, den Dialog zwischen Industrie, Logistik, Energieversorgern und Politik zu fördern und praxisnahe Lösungen voranzubringen. Wasserstoff kann nur dann erfolgreich werden, wenn die gesamte Wertschöpfungskette zusammenspielt. Dazu möchte ich mit meiner Erfahrung beitragen und Impulse für die Entwicklung einer leistungsfähigen Wasserstoffinfrastruktur in unserer Region setzen.

7. Welche Entwicklung im Wasserstoffbereich halten Sie aktuell für besonders spannend oder richtungsweisend?

Besonders spannend finde ich aktuell den Schritt von der Strategie in die konkrete Umsetzung. Mit dem Aufbau der Wasserstoffnetze, ersten großskaligen Produktionsprojekten und der Anbindung industrieller Verbraucher entsteht zunehmend eine echte Wasserstoffwirtschaft. Nur wenn alle Bereiche zusammenspielen, kann Wasserstoff sein Potenzial für die Transformation energieintensiver Branchen voll entfalten.

8. Wenn Sie an die Wasserstoffwirtschaft in zehn Jahren denken: Was hoffen Sie, dann sagen zu können?

Ich hoffe, dass wir in zehn Jahren sagen können: Aus Visionen und Pilotprojekten ist eine funktionierende Wasserstoffwirtschaft geworden. Sie stärkt die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie, unterstützt die Transformation hin zur Klimaneutralität und macht das Rheinland zu einer starken Zukunftsregion.


Über Steffen Bauer

Steffen Bauer (Jahrgang 1980) ist seit Oktober 2025 CEO der HGK-Gruppe. Zuvor führte er die HGK Shipping GmbH und verantwortete die strategische Transformation des größten europäischen Binnenschifffahrtsunternehmens mit einem klaren Fokus auf Nachhaltigkeit, Innovation und Klimaneutralität. Seine langjährige internationale Führungserfahrung in den Bereichen Logistik, Schifffahrt und Schiene sowie seine Expertise in Transformations-, Wachstums- und Integrationsprozessen prägen seine heutige Rolle an der Spitze der HGK-Gruppe. Vor dem Hintergrund globaler Handelsströme setzt er sich für eine leistungsfähige, trimodal ausgerichtete Verkehrsinfrastruktur und die Stärkung der Wasserstraße als zentralen Baustein resilienter Lieferketten ein. Ein besonderes Anliegen ist ihm die Positionierung Kölns als bedeutender europäischer Logistik- und Wirtschaftsstandort.

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